Therapeutische Gärten

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Sehnsucht stillen - Angst überwinden

Bildungsraum Wildnis

Der Garten ist die Drehscheibe zwischen Wildnis und Kultur. Hier können wir uns in einem geschützten Raum mit der wilden Natur auseinandersetzen und unseren Weg zwischen „Ausgeliefertsein“ und „Beherrschen“ der Natur finden. Überspitzt gesagt ist der Garten ein Produkt der Angst vor der Wildnis. Da hat einer unserer fernen Vorfahren irgendwann einmal einen Zaun gezogen, um die wilden Tiere auszusperren. Dennoch drängt es uns (wie bei „Peter und der Wolf“), ab und an das Gartentor zu öffnen und in die Wildnis einzutauchen. Denn natürlich sind auch wir noch immer noch das „Naturwesen Mensch“, das in der Wildnis seine Wurzeln hat. Nirgendwo anders kommt der Kulturmensch seinem Wesen näher als in der Wildnis! Der Angst vor der Wildnis steht also die Sehnsucht nach der Wildnis gegenüber. Aber wo können wir Wildnis erleben, um unsere Sehnsucht zu stillen und unsere Angst zu überwinden? Wildnis ist nur da, wo der Mensch über lange Zeiträume gar nicht eingreift, sog. „unberührte Natur“ gibt es in Deutschland fast gar nicht mehr. Unsere „Ersatz-Wildnis“ ist ein etwas struppiger Garten, eine Brachfläche oder ein naturnah bewirtschafteter Wald.

Wir sollten so oft wie möglich die Gelegenheit nutzen – und Kindern sollten viele solche Gelegenheiten geboten werden – einzutauchen in möglichst „wilde Natur“. Es tut unserer Seele gut!

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Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen Heike Boomgaarden und die Wesentlich GmbH

Happy new year 2015

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Heilsames Gärtnern

Die Gartentherapie setzt gezielt pflanzen- und gartenbezogene Aktivitäten zur Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens von Menschen ein, um die mannigfaltigen positiven Wirkungen der Natur optimal therapeutisch und präventiv zu nutzen.

Jeder, der sich gerne in der Natur aufhält, jede Hobbygärtnerin, jeder Wanderer kennt die heilsame Wirkung des Naturkontaktes. „Sich erden“ – das ist ein ganz wörtlich zu verstehender Begriff: Mit den Händen in warmer, lebendiger Erde werden wir ruhig, stellt sich eine tiefe Zufriedenheit ein. Hier sind wir angekommen, zuhause, richtig. Auch der Umgang mit Tieren und Pflanzen hat diese Wirkung auf den modernen Menschen, der sich mehr und mehr von seinen Wurzeln als Naturwesen entfernt. Das Phänomen der heilsamen Wirkung des unmittelbaren Naturkontaktes ist schon lange bekannt, aber erst vor etwa 50 Jahren hat man damit begonnen, dies systematisch therapeutisch zu nutzen.

Was machen Gartentherapeuten?

Die Fachkraft für Gartentherapie arbeitet wie jede therapeutische Fachkraft nach einem Therapieplan, der individuell auf die Patientin / den Patienten zugeschnitten ist. Da jedoch gärtnerische Tätigkeiten ganzheitlich wirken, sind es immer wieder die gleichen „ganz normalen“ Schritte in der Arbeit mit Pflanzen, die auf der Agenda stehen: Säen, Pikieren, Pflanzen, Schneiden, Ernten … Auch die Arbeit mit der Erde und das passive Sinneserleben sind Teile der therapeutischen Arbeit. Nicht zuletzt ist das gemeinsame Gärtnern, die dadurch entstehende zwanglose Kommunikation und die gemeinsame Freude am Tun ein gewollter therapeutischer Effekt, der durch eine gezielte Zusammenstellung von Gruppen vom Gartentherapeuten gesteuert werden kann.

In der Gartentherapie wird viel an Hoch- oder Tischbeeten gearbeitet, da die Patient/innen häufig körperlich beeinträchtigt sind, z. B. in den Therapiegärten der Senioren-Institutionen.

Therapiegärten

In Gärten, die speziell für die Gartentherapie entworfen wurden, findet man daher oft viele Hochbeete. Wichtig bei der Gestaltung von Therapiegärten ist ein vielfältiges Angebot an Räumen und an Pflanzen.

Räume

Ruhe- und Rückzugsräume brauchen Abgrenzungen durch Pflanzen oder Mauern, Paravents o. ä., so dass man „den Rücken frei hat“, was ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gibt. Und natürlich braucht es dort Sitzgelegenheiten, auf denen man auch für längere Zeit bequem sitzen kann. Aktivitätsräume dagegen sind großzügig und offen. Begegnungsräume schließlich brauchen runde Tische oder Sitzkreise, nicht zu groß, aber auch nicht zu eng, damit ein „Sich-in-die-Augen-schauen“ möglich ist, ohne dass man sich zu nah „auf die Pelle“ rückt.

Pflanzen

Pflanzen stehen im Zentrum der Gartentherapie. In Therapiegärten gibt es

  • „Arbeitspflanzen“ = Pflanzen, die leicht selbst zu ziehen sind: Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten sind meistens erfolgreich, die Pflanzen „verzeihen“ auch manch ungeschicktes Handling und belohnen die Mühe mit schönen Blüten, üppigem Wachstum oder leckeren Früchten.
  • „Sinnespflanzen“ = Pflanzen, die einen oder mehrere Sinne ansprechen: Sehen (z B. schöne Blüten oder eine harmonische Wuchsform), Riechen (z. B. duftende Blüten oder Blätter), Schmecken (Essbare Pflanzen aller Art), Fühlen (z. B. raue oder weich behaarte Blatt- oder Rindenoberflächen, Moos auf einem Fußfühlpfad).
  • „Heilpflanzen“ = Pflanzen mit Heilwirkung (auch z. B. für Bachblüten- oder Aromatherapie)

Pflanzen sind in einem Therapiegarten die „Hauptpersonen“, sie sind kein Abstandsgrün und keine Dekoration, sondern immer bewusst mit ihrer Wirkung auf den Menschen ausgewählt. Die Gartentherapeuten sind die Fachkräfte, die die Menschen zum Garten hinführen, …

Der Garten als Therapeut

… „doch die therapeutische Hauptarbeit leistet der Garten sozusagen selbst, indem er die Leute aufnimmt, einander näher bringt, sie sogar in ihren Betten an die Hochbeete lässt und Zeit und Aufmerksamkeit herstellt für die erfreulichen Seiten des Lebens. Indem er Appetit macht auf das Essen, einen guten Schlaf bringt und eine wirkliche Freude auf Morgen.

In diesem Sinne verstehen wir nun auch die Gartentherapie im Rahmen der Palliativen Pflege als Instrument zur Hebung und Sicherung der Lebensqualität und zur Förderung der Gesundheit in einem umfassenden Sinn. Als ein anregendes Milieu und nicht so sehr als eine bestimmte therapeutische Technik.“ (Dr. Fritz Neuhauser, Geriatriezentrum am Wienerwald, http://www.vhs.at/2060.html)

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In einer positiven Zukunftsvision sind die Menschen 'nature-smarts'

Krank durch zu wenig Kontakt zur Natur: „Nature-Deficit Disorder“

Mit seinem Buch „Das letzte Kind im Wald“ hat Richard Louv weltweit eine Diskussion über die Bedeutung der Natur für die seelische und körperliche Gesundheit des Menschen angestoßen.

2008 wurde Richard Louv http://richardlouv.com/ die Audubon Medal, eine wichtige US-amerikanische Auszeichnung im Bereich Umwelt- und Naturschutz, verliehen. Die Jury würdigte, dass er „in alarmierender Weise die Kosten für Gesundheit und Gesellschaft aufgezeigt hat, die durch die Isolation unserer Kindern von der Natur verursacht werden – und dafür, dass er damit eine wachsende Bewegung ins Leben gerufen hat, die sich dieses Problems annimmt.“ Dies tat er mit seinem Buch „Last Child in the Woods: Saving Our Children From Nature-Deficit Disorder”, das 2011 erstmals auch auf Deutsch erschienen ist unter dem Titel „Das letzte Kind im Wald. Geben wir unseren Kindern die Natur zurück!“

Nature-Deficit Disorder

Dass Kinder in der modernen Welt wenig Kontakt zur Natur haben, wird vielfach bedauert. Dass es aber sogar gravierende und messbare negative Auswirkungen auf die körperlich-geistige und seelische Entwicklung von Kindern hat, wenn sie zu wenig mit Natur in Kontakt kommen, ist so deutlich zuvor noch nicht dargestellt worden. Die Forschung über den Einfluss von Naturerfahrungen ist noch jung, aber bislang zeigen alle Untersuchungen, dass der Mensch ein angeborenes Bedürfnis nach Natur zu haben scheint. Wenn dieses Bedürfnis nicht ausreichend befriedigt wird, kommt es zu Symptomen wie gesteigerter Aggressivität, Hyperaktivität, Depression und Übergewicht. Louv gab diesem komplexen Syndrom den Namen „Nature-Deficit Disorder“. Und das nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen, die ja das gleiche Bedürfnis haben.

Green Care

Während ein Natur-Defizit Menschen umfassend gesundheitlich schädigen kann, so kann umgekehrt der bewusste, intensive Kontakt zur Natur Menschen auch umfassend heilen. Die therapeutische Antwort auf das Nature-Deficit Disorder heißt denn auch „Green Care“. Dazu gehören neben der Gartentherapie auch tiergestützte Therapieformen. Beim „Green Care“ wird die die Natur gleichsam als Therapeutin engagiert.

Vorbeugen

Damit es aber erst gar nicht zu solch weit reichenden Fehlentwicklungen kommt, gilt es, den modernen Menschen generell mehr in die Natur zu locken. Das ist ein ehrgeiziges und (scheinbar?) gegen den Strom steuerndes Ziel. Denn dazu braucht es

  • eine Stadtplanung, die bewusst Freiflächen schafft, wo Natur erlebt, in der Natur gespielt und Natur gestaltet (Gärten!) werden kann. Da für das Freihalten von Flächen in Innenstädten bei den bestehenden Grundstückspreisen und den leeren Kassen der Kommunen schwer Mehrheiten in den Entscheidungsgremien zu finden sind, braucht es dafür mutige und geduldige Pioniere.
  • Eltern, die ihre Kinder loslassen können und ihnen statt einer übertriebenen Förderung lieber viel Zeit für freies Spiel zukommen lassen – möglichst unbeobachtet und in möglichst naturnaher Umgebung
  • Erwachsene, die Kindern ein Vorbild sind: indem sie sich selbst mehr in der natürlichen als in einer virtuellen Welt bewegen

In seiner positiven Zukunftsvision nennt Richard Louv die Menschen „nature-smarts“: „The future will belong to the nature-smart – those individuals, families, businesses, and political leaders who develop a deeper understanding of the transformative power of the natural world and who balance the virtual with the real. The more high-tech we become, the more nature we need.”

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Kommentierte Empfehlung "Schulgarten-Bibliothek" - wesentlich hilfreicher als lange, unkommentierte Literatur-Listen

Die Schulgarten Bibliothek jetzt im Netz

von Dr. Birgitta Goldschmidt, Schulgarten-Beraterin
Dies ist meine individuelle Empfehlung für eine Schulgarten-Bibliothek. Auswahl, Kommentare und Empfehlungen sind rein subjektiv! Aufgelistet sind die Titel nicht alphabetisch, sondern in der (ebenso subjektiven) Reihenfolge der Wichtigkeit. Im BUND-Projekt „GenerationenSchulGärten“ haben wir die Erfahrung gemacht, dass dies gerade für „SchulgartenAnfänger“ wesentlich hilfreicher ist als lange, unkommentierte Literatur-Listen ohne Prioritäten und ohne Angaben zum Inhalt. Ich habe mich in der Auswahl auf das Gestalterisch-gärtnerische konzentriert. Das beobachtende Naturerlebnis, für das der Schulgarten natürlich ebenfalls ein erstklassiger Lernort ist, habe ich außen vor gelassen, denn das hätte den Rahmen gesprengt!

 

Autorin Präsentation Schulgarten Bibliothek: Dr. Birgitta Goldschmidt Projektkoordinatorin

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