Memoriam Garten

Mein Platz (fast) für die Ewigkeit

Friedhof ist auch nicht mehr das, was er mal war. Viele Menschen empfinden diesen Ort der letzten Ruhe als unruhig oder jedenfalls als wenig einladend. Und auch Profis wie  Friedhofsgärtner, Steinmetze oder Friedhofsverwaltungen machen sich Gedanken über die Zukunft. Einer von ihnen ist Lüder Nobmann. Er gehört zu den Partnern, die eng mit Wesentlich-Büro für Urbane PflanzKultur zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen wir unsere Städte wieder zum Lebensmittelpunkt machen, dazu gehört auch der Friedhof.

Vorstellung des Memoriam-Gartens zum „Tag des Friedhofs“ in Wetzlar
Auf den ersten Blick sieht die Fläche aus wie die Ruhe-Oase in einem Park, geschwungene Beete mit geschmackvoller Bepflanzung, eine große Vogeltränke, dazwischen Stelen aus Holz oder Stein wie in einer Kunstausstellung. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Namensschilder auf den Stelen. Es sind die Grabsteine, nur eben ganz andere als die Einheitsformate, die wir heute kennen. Im Memoriam-Garten gibt es keine abgegrenzten Gräber. Blumen und Pflanzen gehen ineinander über, die Stele zeigt den Ort des Grabes an. Jedes Grab trägt einen Namen, anonyme Bestattungen gibt es nicht. Und noch etwas ist anders hier, es gibt keine getrennten Bereiche für Erdbestattungen mit Sarg und Urnenbestattungen, jeder kann sich hier seinen letzten Ruheplatz nach eigenem Gusto aussuchen.

Die Friedhöfe sterben
„Die Friedhöfe leiden an Auszehrung,“ sagt Lüder Nobmann. „Früher war die Erdbestattung allgemein üblich. Heute hat man die Wahl zwischen Seebestattung, Friedwald, Columbarium, also den Wänden mit vielen kleinen Urnenfächern und eben dem guten, alten Friedhof. Und viele Angehörige fürchten sich vor der Verpflichtung, ein Grab 20 oder 30 Jahre lang zu pflegen, vor allem, wenn sie weit weg wohnen. Dadurch bekommen wir immer mehr leere Flächen zwischen den Gräbern. Zusätzlich fällt es den Kommunen schwer, die hohen Pflegekosten ihrer Friedhöfe angesichts knapper Kassen aufzubringen.“

Unser Friedhof ist ein Kind der Moderne
Der Friedhof, wie wir ihn kannten, ist eine Schöpfung der Neuzeit. Bis ins 16. Jahrhundert war die Kirche und der umgebende Kirchhof die letzte Ruhestätte für die Bürger. Arme und Ausgestoßene wurden oft außerhalb der Siedlungen verscharrt. Nach dem dreißigjährigen Krieg wuchs die Bevölkerung sprunghaft und es wurde zu eng auf den Kirchhöfen. Seuchen und geänderte Hygienevorstellungen beschleunigten die Entwicklung und ließen neue Friedhöfe vor den Stadtmauern entstehen. Eine regelrechte Friedhofskultur entstand im 19. und 20 Jahrhundert, als reiche Familien kolossale Mausoleen und Denkmäler für ihre Verstorbenen errichteten und die damalige Begeisterung für englische Parks auf dem Friedhof Einzug fand. Die Städte waren längst über ihre Stadtmauern hinausgewachsen, die Friedhöfe damit innerstädtische Grünoasen, die sonntags zum Spaziergang einluden. Mancherorts sind diese Refugien noch heute zu bewundern.

Ein Ort, den man gerne besucht
Die Memoriam-Gärten wollen die Schönheit, die Ruhe und die Atmosphäre dieser Friedhöfe in unsere Zeit übertragen. Lüder Nobmann nennt die wichtigsten Anforderungen, die die Menschen heute an die letzte Ruhestätte stellen: „Schön soll es sein, würdevoll, ein Ort, den man gerne besucht. Gleichzeitig soll die Pflege über viele Jahre gesichert sein. Und schließlich soll es bezahlbar sein.“ All das bietet der Memoriam-Garten, da ist sich Nobmann sicher und die Gespräche mit Besuchern an diesem Tag bestätigen ihn in seiner Meinung. Per Vertrag kann man schon zu Lebzeiten seinen Lieblingsplatz aussuchen und die Pflege für 15 oder gar 30 Jahre sichern. Das ist für viele Menschen eine Erleichterung betont der Friedhofsgärtner, denn einen Satz hört er in seinen Gesprächen immer wieder: „Ich will meinen Kindern nicht zur Last fallen. Und sie sollen mich gerne einmal an meinem Grab besuchen kommen.“

Innovationspreis für Memoriam-Gärten
Den ersten Memoriam-Garten hat Nobmann vor fünf Jahren auf der Bundesgartenschau in Schwerin vorgestellt, das Projekt wurde mit dem Innovationspreis des Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Inzwischen gibt es eine Handvoll Memoriam-Gärten in Deutschland und er ist sicher, dass es noch viel mehr werden.

Weitere Informationen und eine Übersicht der Memoriam-Gärten in Deutschland finden Sie unter www.memoriam-garten.de